Alle reden von Digitalisierung - wir auch. Aber wir sehen das Thema vielleicht ein wenig kritischer, als das üblich ist. Für Wissenschaft und Wirtschaft ist "Digitalisierung" leider ein Rennpferd, das man reiten muss, so lange es noch lebt... Aber den Glauben, dass Digitalisierung alle Probleme "automatisch" löst, teilen wir nicht. Gleichwohl hat sie das Potenzial, unsere Welt massiv zu verändern, hoffentlich auch, sie zu verbessern.

Zunächst bedeutet Digitalisierung nichts anderes als Automatisierung! Damit folgt sie dem ältesten Motiv der "Datenverarbeitung", nämlich Prozesse so zu gestalten, dass sie ohne den "Störfaktor" Mensch ablaufen können. Treiber ist das Wirtschaftlichkeitsgebot, das alle Spieler dazu verdammt, immer produktiver oder effizienter zu arbeiten. Das ist so, weil es eben eine Ausprägung des Grundprinzips der Evolution ist: Survival of the fittest! Niemand von uns wird sich dem entziehen können. Aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Digitalisierung wird nur die Probleme lösen, die wir lösen wollen. Und ihre erfolgreiche Umsetzung ist harte Arbeit, nämlich Organisationsarbeit. Und wie jede Technologie gibt es bei ihrem Einsatz Gewinner und Verlierer. Die Potenziale der Digitalisierung sind so gewaltig, dass wir mit vielen Verlierern rechnen müssen. Ziel ist die menschenleere Fabrik, die menschenleere Verwaltung! Digitalisierung wird nicht nur zu gewaltigen Veränderungen in Produktion und Verwaltung führen, sie wird auch zu gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen führen. Die kann man natürlich bewältigen, aber man muss es auch tun und vor Allem wollen. Die Digitalisierung wird uns nichts nützen, wenn sie zu gesellschaftlicher Destabilisierung führt. Das Thema leuchtet hell, aber es wirft auch Schlagschatten. Diese werden von den Verantwortlichen und Wissenden aber verniedlicht oder ignoriert. Ein gefährlicher Leichtsinn!

Wenn Menschen nicht mehr von Arbeit leben können, weil es für sie eben keine bezahlte Arbeit mehr gibt (Wir reden hier nicht von einer kleinen Elite von Experten, sondern von der Masse der normalen "Werktätigen".), dann müssen wir nicht nur fragen, wovon diese Menschen leben sollen, sondern auch, ob die produzierten Mehrwerte weiterhin in privater Hand bleiben dürfen. Das klingt nach Kommunismus, ist aber etwas völlig anderes. Der (politische) Kommunismus geht davon aus, dass genug Arbeit da ist. Aber die Digitalisierung hat das Potenzial, die Arbeit zu eliminieren. Wenn alle Routine von Robotern und Automaten übernommen werden kann, dann gibt es das Arbeitsleben im heutigen Sinne nicht mehr.

Aber auch, wenn wir innerhalb der Technologie bleiben, ist Digitalisierung eine große Herausforderung. Können wir schlussendlich autonome Systeme noch beherrschen? Oder müssen wir uns den Algorithmen unterordnen? Klingt nach Science Fiction, ist aber Stand heute glaubhafte Realität.  

Dazu später mehr...