Plötzky hatte ein eigenes Kloster. Es war ein Nonnenkloster und wurde nach allem, was wir wissen, recht früh im 13. Jahrhundert gegründet. Leider gibt es von dem Kloster bis auf Reste der über 1.000 m lange Klostermauer nichts mehr zu sehen.

Was ist passiert? Nun, nach einer Blütezeit insbesondere im 14. Jahrhundert stagnierte die Entwicklung und kam dann mit der Reformation und der daraus folgenden Säkularisierung zum Erliegen. Das Kloster wurde aufgelöst; das Klostervermögen wurde vom Kurfürsten eingezogen. Die Gebäude wurden abgerissen und das Baumaterial wurde verkauft. Die Klosterkirche hat noch bis ins 18. Jahrhundert gestanden, musste dann aber auch "daran" glauben.

Das Klostergelände ist heute komplett in privater Hand und überbaut. Archäologisch ist da nur noch per Zufall etwas zu holen... Müssen wir also "unser" Kloster vergessen?

Nein, ganz sicher nicht. Denn das Klostergeschehen ist in vielen heute noch vorhandenen Urkunden dokumentiert. Und über die Nonnenklöster, die im 12. Jahrhundert europaweit zu Hunderten entstanden, weiß die Wissenschaft manches. Vieles gilt zweifelsohne auch für das Plötzkyer Kloster - obgleich wir mit Behauptungen, wie es wirklich war - sehr zurückhaltend sein müssen. Es gibt viele spannende Fragen und wir stehen in mancher Hinsicht erst am Anfang. Was wir aber jetzt schon sehen, ist, dass die Menschen im Mittelalter eigentlich sehr moderne Menschen waren.

Das Kloster war ein großer landwirtschaftlicher Betrieb (ähnlich einer LPG in der jüngeren Vergangenheit); der brauchte ein professionelles Management! Und das Kloster hatte - bei aller Frömmigkeit der Insassen und Gönner - auch eine politische Funktion. Wie heute große Unternehmen Stiftungen gründen, so haben damals adlige Familien ihren Landbesitz an Klöster gegeben. Man darf und sollte auch hier die Frage stellen: Cui bono? 

Für die Frauen aus adligen und wohlhabenden Familien war ein Nonnenkloster, so merkwürdig uns das heute erscheint, ein emanzipatorischer Ort. Im Kloster konnten diese Frauen ihr Leben (in Grenzen) selbstbestimmt gestalten und auch Karriere machen. Immerhin war die Äbtissin die oberste Verantwortliche für das Wirtschaftsunternehmen "Kloster". Wir kennen nur wenige dieser starken Frauen wie z.B. Hildegard von Bingen, aber es gab eine ganze Menge solcher Frauen. Für das Plötzkyer Kloster wissen wir, dass man hier in den letzten 100 Jahren vor der Säkularisierung offenbar nicht das Glück "starker" Äbtissinnen hatte. Das belegt der schleichende wirtschaftliche Niedergang in dieser Zeit.

Auch wenn wir also das Kloster selber nicht mehr sehen können, so hat es Spuren hinterlassen. Und die Spurensuche ist eine herausfordernde Aufgabe. So gibt es zum Beispiel Hinweise darauf, dass der Platz des Klosters nicht so jungfräulich war wie die Nonnen. Er hatte wahrscheinlich eine Vorgeschichte; im Volksmund laufen sogar Gerüchte um, dass es vor dem Nonnenkloster hier ein "gemischtes" Kloster, also ein Kloster mit Nonnen und Mönchen gegeben hat. Ob diese Geschichte einen wahren Kern hat? Stand heute ist das eine offene Frage...